Warum der Widerstand gegen Japans Gesetz zur Vorbereitung schwerer organisierter Straftaten so heftig war
2017-04-07
Überarbeitet und neu veröffentlicht: 2026-07-25
Im Jahr 2017 wurde in Japan heftig über den Gesetzentwurf zur Ahndung der Vorbereitung schwerer organisierter Straftaten debattiert.
Dieser Beitrag untersucht, warum Oppositionsparteien, Bürgerinitiativen, Intellektuelle, Gewerkschaften und die Japan Federation of Bar Associations das Gesetz so entschieden bekämpften.
Im Mittelpunkt stehen organisierte Kriminalität, ausländische Einflussnahme, Spionage, Okinawa-Proteste und die notwendige Unterscheidung zwischen rechtmäßigem Protest und rechtswidrigen Aktivitäten.
Hintergrund
Im Jahr 2017 wurde in Japan ein Gesetzentwurf diskutiert, mit dem die Vorbereitung bestimmter schwerer Straftaten durch organisierte Gruppen unter Strafe gestellt werden sollte.
Der Entwurf wurde in Japan häufig als sogenanntes „Verschwörungsgesetz“ bezeichnet.
Oppositionsparteien, selbsternannte Intellektuelle, sogenannte Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und die Japan Federation of Bar Associations erhoben dagegen heftigen Einspruch.
Sie behaupteten, das Gesetz bedrohe die Bürgerrechte, die Meinungsfreiheit und die Freiheit politischer Betätigung.
Doch die ungewöhnliche Heftigkeit ihres Widerstands warf eine andere Frage auf.
Warum fürchteten bestimmte politische und gesellschaftliche Gruppen ein Gesetz, das sich gegen die organisierte Vorbereitung schwerer Straftaten richten sollte, in einem solchen Ausmaß?
Warum sollte ein gesetzestreuer Bürger dieses Gesetz fürchten?
Für gesetzestreue japanische Bürger stellte sich eine einfache Frage.
Warum sollte ein Gesetz, das organisierte Gruppen und die konkrete Vorbereitung schwerer Straftaten erfassen soll, für Menschen ein Problem sein, die mit solchen Aktivitäten nichts zu tun haben?
Selbstverständlich muss jedes Strafgesetz klare Grenzen haben.
Es darf nicht dazu benutzt werden, friedliche Demonstrationen, politische Kritik, journalistische Tätigkeit oder rechtmäßige Bürgerbewegungen zu unterdrücken.
Der Staat muss die Meinungsfreiheit und die Versammlungsfreiheit schützen.
Doch aus diesem berechtigten Grundsatz folgt nicht, dass jede organisierte politische Tätigkeit automatisch rechtmäßig ist.
Auch Organisationen, die sich als Bürgerbewegungen, Gewerkschaften oder politische Initiativen bezeichnen, dürfen nicht außerhalb des Gesetzes stehen.
Die Heftigkeit des Widerstands
Die Ablehnung eines Gesetzes beweist für sich allein noch keine Straftat.
Die ungewöhnliche Heftigkeit des damaligen Widerstands rechtfertigte jedoch die Frage, ob manche Gruppen nicht nur um die Bürgerrechte, sondern auch um ihre bisherigen politischen, finanziellen und organisatorischen Netzwerke fürchteten.
Japan war über viele Jahre hinweg ein Land, in dem Spionage, ausländische Einflussnahme und die Unterstützung politischer Kampagnen durch schwer durchschaubare Organisationen vergleichsweise wenig untersucht wurden.
Aus meiner Sicht bestand die Gefahr, dass Japan zu einem Betätigungsfeld für ausländische Nachrichtendienste und politische Einflussoperationen geworden war.
Sollte ein neues Gesetz die organisierte Vorbereitung schwerer Straftaten wirksamer verfolgen, würden diejenigen, die an rechtswidrigen Aktivitäten beteiligt waren, einen Teil ihrer bisherigen Handlungsfreiheit verlieren.
Darin konnte ein wesentlicher Grund für den verzweifelten Widerstand gegen den Gesetzentwurf liegen.
Ausländische Einflussnahme und Japans nationale Interessen
In der damaligen politischen Debatte musste auch untersucht werden, ob bestimmte Gruppen über viele Jahre hinweg im Sinne chinesischer oder südkoreanischer Interessen gehandelt hatten.
Politische Forderungen können äußerlich als Menschenrechtsbewegungen, Friedensbewegungen oder Bürgerinitiativen erscheinen.
Entscheidend ist jedoch, wer sie organisiert, wer sie finanziert, welche Informationen verbreitet werden und welchen Staaten oder Organisationen ihre Aktivitäten letztlich nützen.
Japan darf kein Land bleiben, in dem ausländische Einflussoperationen unter dem Schutz politischer Schlagworte ungehindert durchgeführt werden können.
Politische Kritik ist legitim.
Friedlicher Protest ist legitim.
Die Unterstützung fremder staatlicher Interessen durch verborgene Finanzierung, organisierte Täuschung oder rechtswidrige Handlungen ist dagegen etwas völlig anderes.
Die Protestbewegungen in Okinawa
Besondere Aufmerksamkeit galt den Organisationen und Gewerkschaften, die Personal und finanzielle Mittel für die Protestbewegung gegen die amerikanischen Militärstützpunkte in Okinawa bereitstellten.
Auch dort gilt, dass friedlicher Protest geschützt werden muss.
Die bloße Teilnahme an einer Demonstration stellt selbstverständlich keine Straftat dar.
Wenn jedoch Menschen systematisch entsandt, Aktionen zentral organisiert, Gelder und Materialien bereitgestellt oder rechtswidrige Handlungen geplant werden, muss untersucht werden dürfen, welche Organisationen dahinterstehen und welche Verantwortung sie tragen.
Niemand darf allein deshalb verfolgt werden, weil er gegen einen Militärstützpunkt protestiert.
Aber ebenso wenig darf die Bezeichnung „Bürgerbewegung“ dazu führen, dass mögliche Gesetzesverstöße grundsätzlich von jeder Untersuchung ausgenommen werden.
Die Anti-Atomkraft-Bewegung und andere politische Kampagnen
Ähnliche Fragen stellten sich bei Teilen der Anti-Atomkraft-Bewegung und anderen politisch organisierten Kampagnen.
Auch hier ist zwischen ehrlichen Bürgern, die aus eigener Überzeugung handeln, und Organisationen zu unterscheiden, die politische Bewegungen für andere Zwecke benutzen.
Eine demokratische Gesellschaft muss Kritik an der Regierung zulassen.
Sie muss zugleich verhindern, dass politische Freiheit als Schutzschild für organisierte Straftaten, ausländische Einflussnahme oder verdeckte Finanzierungsstrukturen missbraucht wird.
Beides gehört zum Schutz der Demokratie.
Was die japanischen Bürger erkennen mussten
Die japanischen Bürger begannen damals zu erkennen, dass die entschiedene Opposition gegen den Gesetzentwurf möglicherweise nicht ausschließlich aus abstrakter Sorge um die Bürgerrechte entstand.
Sie mussten selbst prüfen, wer gegen das Gesetz protestierte, welche Interessen vertreten wurden und warum der Widerstand so außerordentlich heftig war.
Lautstarke Parolen sind kein Beweis für moralische Richtigkeit.
Auch Gruppen, die sich selbst als Vertreter der Zivilgesellschaft bezeichnen, müssen sich Fragen nach Finanzierung, Organisation, ausländischen Verbindungen und rechtlicher Verantwortung gefallen lassen.
Die Tatsache, dass jemand das Wort „Menschenrechte“ oder „Frieden“ verwendet, darf ihn nicht automatisch jeder Überprüfung entziehen.
Schlussfolgerung
Ein Gesetz gegen organisierte Kriminalität darf niemals zur Unterdrückung rechtmäßiger politischer Tätigkeit missbraucht werden.
Ebenso wenig darf die Sorge vor einem möglichen Missbrauch des Gesetzes dazu führen, dass organisierte rechtswidrige Aktivitäten grundsätzlich unangetastet bleiben.
Japan muss gleichzeitig die Freiheit seiner Bürger und die Sicherheit seines Staates schützen.
Friedlicher Protest, Meinungsfreiheit und politische Kritik gehören zur Demokratie.
Doch Spionage, verdeckte ausländische Einflussnahme und die organisierte Vorbereitung schwerer Straftaten gehören nicht dazu.
Die japanischen Bürger müssen selbst beurteilen, wer aus welchem Grund gegen ein Gesetz protestiert.
Sie dürfen sich nicht allein von der Lautstärke politischer Parolen überzeugen lassen.
MIKIO KISARA
